Wassilios Emmanuel Fthenakis
Konzeptionelle Neubestimmung von Bildungsqualität in Tageseinrichtungen für Kinder mit Blick auf den Übergang in die Grundschule
Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Dr. W. E. Fthenakis

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat in den Jahren 1996 bis 1998 eine Delphi-Studie über die zukünftige gesellschaftliche Bedeutung von Wissen und Bildung durchgeführt. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse und neuerer Erkenntnisse der entwicklungspsychologischen, erziehungswissenschaftlichen und soziologischen Forschung wird der gegenwärtige Forschungsstand so aufbereitet, dass darauf aufbauend der Bildungsauftrag für Tageseinrichtungen für Kinder von null bis etwa zehn Jahren neu bestimmt werden kann.

Die gesellschaftliche Wandlung zur Wissensgesellschaft bedeutet für den Einzelnen, dass übergreifende Kompetenzen und Fähigkeiten gefordert werden. Es handelt sich dabei im einzelnen um inhaltliches Basiswissen, um sozial-personale Fähigkeiten sowie um lernmethodische Kompetenzen, die den Erwerb von Wissen und den Umgang mit Information sicherstellen. Tageseinrichtungen für Kinder nehmen eine wichtige Funktion im Bildungswesen ein, das künftig die Aufgabe haben wird, mit entsprechend qualifiziertem Personal der Gefahr eines "knowledge gaps", wie sie eine Wissensgesellschaft in sich birgt, zu begegnen. Die sozialintegrative Funktion des Kindergartens und die Ganzheitlichkeit von Bildung und Erziehung sind Grundkonzepte der Frühpädagogik, die vor dem Hintergrund der Delphie- Studie erneut an Bedeutung gewinnen.

Ziel des Projekts ist die Konzeptualisierung von Bildungsqualität in Tageseinrichtungen für Kinder mit besonderem Blick auf den Übergang in die Grundschule. Diese erfolgt auf der Grundlage von drei Arbeitsschwerpunkten:
  1. auf der Analyse und Aufarbeitung von Ergebnissen der internationalen Forschung zu ausgewählten Basiskompetenzen und der Einschätzung ihrer Relevanz für die Bildung und Förderung des Kindes;
  2. auf einer Neukonzeptualisierung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule mit Blick auf eine weiterführende Förderung der ausgewählten Basiskompetenzen;
  3. auf einem internationalen Vergleich curricularer Konzepte und Entwicklungen und der Einschätzung ihrer Relevanz für eine Weiterführung der Bildungsdiskussion in unserem Land.
Es werden drei Basiskompetenzen ausgewählt, die als besonders wichtig gelten: Resilienz, Bewältigungskompetenz bei Transitionen und lernmethodische Kompetenz. Unter Resilienz lässt sich die Fähigkeit verstehen, sich an akut oder chronisch belastende Lebenssituationen effektiv anzupassen. Transitionskompetenz beschreibt die Bewältigung von Entwicklungsherausforderungen, die mit Übergangsprozessen im familiären oder institutionellen Bereich verbunden sind. Zu den Aufgaben des Bildungssystems, die oberste Priorität haben, zählt die Vermittlung von Kompetenzen zur Erschließung und Aneignung von Wissen - Kernkompetenzen, die zur Nutzung verfügbarer Informationen qualifizieren. Aktuelles Wissen ist nur in einem Prozess des lebenslangen Lernens zu erwerben. Ein Hauptziel des Projekts besteht darin, pädagogische Handlungsansätze und erzieherische Interventionen zu entwickeln, die eine Weiterführung förderlicher Maßnahmen für die ausgewählten Basiskompetenzen auch in der Grundschule ermöglichen.

Die Ergebnisse des Projekts sollen in zwei Fachbüchern präsentiert werden: Ein Fachbuch zum Themenbereich Basiskompetenzen sowie eines mit internationalen Beispielen von frühpädagogischen curricularen Konzepten und Entwicklungen. Das Projekt wird durch einen Beirat unterstützt. Er berät das Projekt und gibt Anregungen zur späteren Implementation der Projektergebnisse.