Wassilios Emmanuel Fthenakis
…und die Romantik?
Für den Familienforscher Wassillos Fthenakis gehört der Ehevertrag untrennbar zur Hochzeitsvorbereitung

Artikel erschienen in der Zeitschrift "Focus" Nr. 4/2001

Focus: Notare und Rechtsanwälte empfehlen Paaren, einen Ehevertrag abzuschließen. Was sagen Sie als Psychologe zu solch einem Beziehungsgeschäft?

Fthenakis: Ich glaube, dass ein Ehevertrag notwendig ist. Paare sollten regeln, was passiert. wenn die Beziehung zerbricht. Wie hoch diese Gefahr ist, beweisen unsere Scheidungsstatistiken. Es ist viel einfacher, in guten Zeiten den Ernstfall zu besprechen. Wenn die Situation emotional unbelastet ist und keiner dem anderen schaden will, lassen sich komplizierte Dinge einfacher, schneller und mit weniger Stress klären.

Focus: Sie raten also, das Ende zu planen, bevor die Ehe angefangen hat?

Fthenakis: Ja, sicher. Auch deshalb, weil das Paar seine Ehe viel bewusster gestalten wird, wenn ihm klar ist, dass diese endlich sein kann. Die Partner werden mehr in die Beziehung investieren. Besonders wenn Kinder da sind, halte ich es für eine Pflicht, größere Konflikte zu vermeiden, die die Kinder belasten könnten.

Focus: Zerstört es nicht die Romantik, vor der Hochzeit um Geld zu verhandeln und Verträge zu unterschreiben?

Fthenakis: Das hat mit Romantik nichts zu tun. Romantisch ist vielleicht der Hochzeitstag, aber die Ehe ist nach wie vor ein Vertrag zwischen Mann und Frau - wenn auch meist aus Liebe geschlossen. Dabei geht es um die faire Absicherung der Zukunft.

Focus: Wenn das Paar die Hochzeit plant, Brautkleid und Tischdekoration aussucht, ist der Ehevertrag ein unangenehmes Thema. Wie sage ich es also meinem Partner?

Fthenakis: Wer nicht den Mut und die Freiheit hat, solch ein Thema anzusprechen, sollte über die Qualität seiner Beziehung nachdenken. In einer guten Beziehung kann jeder über alles sprechen, auch über unangenehme Themen wie über Ängste, Probleme und Unsicherheiten. Natürlich darf man solche Gespräche nicht bis zur letzten Minute aufschieben.

Focus: Wie viel Zeit sollte sich das Paar nehmen?

Fthenakis: Sobald der Entschluss gefasst ist und die Hochzeit geplant wird, muss diese Frage ein untrennbarer Bestandteil der Vorbereitungen sein.

Focus: Glauben Sie, Scheidungen mit Eheverträgen verliefen weniger kriegerisch?

Fthenakis: Ohne Zweifel. Ein Vorteil ist, dass das Paar und die Kinder weniger Konflikte bewältigen müssen, weil die meisten Dinge schon geklärt sind. In dem Zustand von Enttäuschung und Verletztheit brauchen die Partner nicht um Grundsätzliches zu streiten. Auch wären Versuche sinnlos, zu manipulieren und dem anderen finanziell zu schaden. Vergessen Sie nicht den gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen von weniger konfliktreichen Scheidungen. Die Zahl der Paare, die endlos vor Gericht streiten, würde reduziert - eine Entlastung für die Justiz und den Steuerzahler.

Das Gespräch führte Katrin Sachse