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Ansprache
von Professor Fthenakis
anlässlich der Verleihung der
Georg Kerschensteiner Medaille,
im Alten Rathaussaal,
in München am 15. Januar 2008
Sehr verehrte Frau Bürgermeisterin Strobl,
verehrte, liebe Frau Stadtschulrätin Weiß-Sölner
meine sehr verehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen !
Es sind genau 50 Jahre vergangen als ich das erste Mal mit dem Werk von Georg Kerschensteiner in Berührung kam. 1958 war ich Student im zweiten akademischen Jahr im Studium der Pädagogik in Griechenland. Mein Professor hatte mir das Referat über das Werk und das Wirken von Georg Kerschensteiner anvertraut. Die Literaturrecherchen bei der Städtischen Bibliothek, erwiesen sich als durchaus ergiebig. Der Direktor der Bibliothek präsentierte mir zwei Werke von Kerschensteiner, beide allerdings in deutscher Sprache. Leider verstand ich kein Wort Deutsch. Das Referat nahm dann in der vorgelegten Fassung lediglich Bezug auf das Skriptum meines Professors über Kerschensteiner und so brachte ich Eulen nach Athen.
Dies war dennoch ein für mein Leben entscheidender Moment: Ich entschloss mich, Deutsch zu lernen und der Direktor der Bibliothek wurde mein Lehrer. Fünf Jahre später hatte ich den kurze Zeit ausgeübten Lehrerberuf, ohne Angabe von Gründen, lediglich aus dem „Gefühl namenlose(r ) Unwissenheit“, um hier Kerschensteiner zu zitieren, aufgekündigt, um die eigene professionelle Inkompetenz zu überwinden und die Arbeit mit Kindern fachlich fundiert gestalten zu können. Des Deutschen durchaus mächtig betrat ich am 10. Oktober 1963 Münchner Boden. Das Gefühl, in der Stadt von Georg Kerschensteiner meine Studien fortzusetzen, war ein beglückendes, das Bedürfnis, mehr über diesen Reformpädagogen zu erfahren, sehr groß. So überrascht es nicht, dass ich vier Wochen später im Amtszimmer des damaligen Stadtschulrats Dr. Anton Fingerle saß. Er erzählte mir fast eine Stunde über Georg Kerschensteiner und gab mir zum Schluss zwei Sonderdrücke. Die Festrede von Aloys Fischer, die er anlässlich des 70. Geburtstags für den Jubilar am 2. Juli 1924 in diesem Alten Rathaussaal gehalten hatte und in einem zweiten Sonderdruck waren Ansprachen, Grußworte und die Festrede von Senator Professor Dr. Hans Wenke aus Hamburg enthalten, die im Rahmen eines Festaktes, anlässlich des 100. Geburtstages von Georg Kerschensteiner, im Deutschen Museum in München, am 2. Juli 1954 von Anton Fingerle selbst und im Auftrag des Deutschen Städtetages organisiert wurde.
45 Jahre danach muss ich heute offen gestehen, dass mich kein anderer deutscher Pädagoge so sehr beeinflusst hat, wie Georg Kerschensteiner. Ich hatte nunmehr die Möglichkeit seine Werke im Original zu lesen und die Abhandlungen über ihn, die inzwischen ein beachtliches Ausmaß angenommen haben. Ich war von seiner Wissbegierigkeit fasziniert. Seine Vorliebe für Naturwissenschaften und seine Bereitschaft, für die damalige Zeit, nicht orthodoxe Wege zu gehen, wenn es darum ging, die eigene Kompetenz zu stärken. Er studierte, wie wir alle wissen, Physik und Mathematik and der Universität München und der Technischen Hochschule München, arbeitete dann an der Meteorologischen Zentralstation und promovierte zum Dr. phil. mit dem Thema „über die Kriterien für die Singularitäten rationaler Kurven vierter Ordnung“, ein, wie man leicht erkennt, gewiss nicht pädagogisches Thema. „Sein beruflicher Weg führte ihn in verhältnismäßig kurzer Zeit durch alle Stufen und Situationen des damaligen Erziehungswesens in buntem Wechsel der Aspekte: Aus dem Dorfschullehrer wurde ein Gymnasiast und Abiturient, dann ein Student und ein scharfer Beobachter des Universitätslebens; schließlich ein Gymnasiallehrer, ehe den Weg begann, den die Welt kennt“ (Wenke, 23). Er war stets aufgeschlossen für Neues: Er ließ fast keine Hochschule seiner Umgebung ungenutzt, um seine professionelle Kompetenz zu erweitern. Eine unendlich wissbegierige Person, die in einer „unaufhörlichen Zwiesprache mit seiner Zeit“ lebte, wie Hans Wenke in seiner Laudatio treffend hervorhebt, und er fährt fort: „Er steckt den Rahmen so weit, dass er immer fähig bleibt, Neues aufzunehmen, ohne sich und seinen Überzeugungen untreu zu werden“.
Neben fundierter Fachkompetenz wies Georg Kerschensteiner auch eine einzigartige Begabung im Umgang mit Administrationen und mit der Politik auf. Der damalige Bundespräsident Theodor Heuss würdigte Kerschensteiner in seiner Grußbotschaft mit den Worten: „es ging vom ihm, dem Mann geistiger und heiterer Beweglichkeit, nicht bloß die unmittelbare Wirkung aus, sondern er besaß auch eine ganz überlegte Systematik des Organisierens; sein idealistischer Antrieb führte ihn nicht in das theoretische Bekenntnis, sondern in die konkrete Bewahrung. Und das Gewinnende seiner Natur: die arbeitstechnische Tüchtigkeit begriff er als Basis der bürgerlichen Tugend und die staatsbürgerlichen Pflichten fanden ihre Bestätigung in der beruflichen Zuverlässigkeit“...„Vor den staatlichen Fragen stand er in einer schönen freiheitlichen Unbefangenheit..“
Ich war fasziniert von seinem revolutionären Geist, von seiner stetigen Bereitschaft das Bestehende zu hinterfragen, nach Wegen zu suchen, um Bildungsqualität zu verbessern. Und dabei setzte er nicht nur auf strukturellorganisatorische Reformen, sondern vielmehr auf die Reform des didaktischen Konzeptes, auf prozessuale Aspekte: Er begann, den geometrischen Unterricht mit Feldvermessungen! In der Geometrie wählte er den induktiven Weg. „Er stieg kognitiv ein, um dann die entstehende kognitive Dissonanz der Schüler für Interesse am Unterricht nutzen zu können“(Krebs, 2004, 19). Seine sprichwörtliche Gründlichkeit bei der Vorbereitung des naturkundlichen Unterrichts führte sogar dazu, dass er ein Jahr lang Vorlesungen über Zoologie und Pflanzenphysiologie besuchte. Dies wiederum führte zur Überwindung der sog. „Buchschule“ und indem er die Lerninteressen des Schüler in den Mittelpunkt stellte, bleibt Kerschensteiner als der Vorläufer moderner Reformen, wie wir sie gegenwärtig in den unterschiedlichen Bildungsplänen implementieren.
Dennoch fand ich seine größten Leistungen nicht in seiner Lehrtätigkeit. Mir imponierte vielmehr sein Reformgeist. Als er dem ersten gewählten Stadtschulrat Johannes Nicklas als Stadtrat folgte, der wegen seines protestantischen Glaubens wenige Wochen nach Amtsantritt zurücktreten musste, hatte Kerschensteiner die große Herausforderung, nämlich eine „gründliche Revision des Volksschullehrplanes in Zoologie, Botanik, Mineralogie, Physik, Chemie, Geschichte und Geographie“ zu bewältigen. Die Situation, in der er sich damals befand, erinnert mich allzu sehr an die ersten Jahre meiner Tätigkeit als Direktor am Staatsinstitut für Frühpädagogik: Ich hatte gefühlt, wie man zwischen Politik und Administration einerseits und fachlicher Welt andererseits stehen kann, und von keiner Seite voll anerkannt zu werden und sich keiner zugehörig zu fühlen. Sein Ausweg aus dieser Situation war für mich lehrreich: Um seine wissenschaftliche Reputation zu stärken, zögerte er nicht, an einem Preisausschreiben der Königlichen Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt mit dem Beitrag „Wie ist unsere männliche Jugend von der Entlassung aus der Volksschule bis zum Eintritt in den Heeresdienst am zweckmäßigsten für die bürgerliche Gesellschaft zu erziehen?“ teilzunehmen und er gewann den ersten Preis unter 75 vorgelegten Beiträgen. Gleichzeitig wurde er zum Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der gemeinnützigen Wissenschaften ernannt. Aber um auf diesem Gebiet voll anerkannt zu werden, benötigt man, neben guter wissenschaftlicher Reputation, auch heute noch, ein Kultusministerium auf seine Seite. So geschah auch bei Kerschensteiner, als sich das Ministerium den von ihm entwickelten, in der Fachwelt zunächst keineswegs nicht unumstrittenen Plan (siehe seine Auseinandersetzung mit Peter Zillig) anerkannte.
Kerschensteiner, und das habe ich bei ihm gelernt, stellt die Frage nach der Bildungsreform für seine Zeit radikal, leidenschaftlich und nüchtern zugleich“...“Er meint, dass jener Brückenschlag zu einer völlig veränderten sozialen und beruflichen Welt nicht mehr gelingt, dass die Schule einen falschen Begriff von der Welt hat und dass die Welt keine Kenntnis davon besitzt, was zur Wesensart des Kindes gehört“ (22). Er scheut nicht davor, öffentlich Reformen anzumahnen und diese zu fordern. Seine Reformbereitschaft ging sogar soweit, dass er sich mit dem Zeichenunterricht eingehend befasste, da für ihn das Wort nicht das einzige Ausdrucksmittel des Menschen und erst recht nicht des Kindes ist“. Es war folgerichtig, dass der erste Preisträger der Georg Kerschensteiner Medaille, der für uns alle unvergessliche Professor Rudolf Setz war. Sein Plan, der sieben Jahre in Anspruch nahm, baute auf der Auswertung von 500 000 Kinderzeichungen, von denen er selbst 300 000 persönlich auswertete, um dann das Werk „Die Entwicklung der Zeichnerischen Begabung“ zu veröffentlichen. Und wir wissen, dass dieses Werk zur Verbreitung seiner Lehre in England wesentlich beigetragen hat.
Am eindrucksvollsten hat Georg Kerschensteiner die von ihm gewünschten Reformen in seiner Festrede aus Anlass einer Pestalozzi-Feier am 12. Januar 1908 in der Peterskirche in Zürich formliert, die er unter dem selbstbewussten und programmatischen Thema „Die Zukunft der Schule – eine Arbeitsschule“ gestellt hatte: „Wenn wir unsere heutigen Schulen prüfen, so werden wir sehen, das die produktiven Kräfte unserer Kinder eher verkümmern lassen als entwickeln, dass sie vielfach Kräfte, namentlich intellektuelle, zu gestalten versuchen zu einer Zeit, wo sie noch gar nicht gestaltungsfähig sind, dass sie das Lernen mit Dingen verbinden, für welche erst künstlich das Interesse durch eine raffinierte Methode wachgerufen werden muss, während sie den Erfahrungskreis, den das Kind in die Schule mitbringt, nur gelegentlich zu Unterrichtszwecken ausnutzen, und dass sie der sozialen Natur des Kindes wenigstens plan- und unterrichtsmässig so gut wie keine Nahrung zuführen“ (Grundlagen der Schulorganisation, S. 99-100). Die schulische Situation seiner Zeit, die er überwinden möchte, beschreibt Kerschensteiner mit den Worten: „Und nun öffnet die Schule ihre Tore: Weg ist alle Beschäftigung, die das ganze Kind erfasste, weg alle Realität des Hauses, der Werkstatt, der Küche, des Stalles, des Gartens, des Feldes. Weg ist alles Graben, Bauen, Fabrizieren, alles produktive Schaffen. Weg ist die ganze Welt des Kindes. Eine neue, fremde Welt mit hundert Rätseln und unfassbaren Forderungen und Zwecken steht vor ihnen. Statt des Sandhaufens, des Baukastens, der Schere, des Hammers, der Peitsche – Tafel, Griffel, Fibel, Lineal; statt des lustigen Schwatzens und Fabulierens – Schweigen und Zuhören; statt des Umherschweifens der Gedanken in der Welt des Scheins – Aufmerken und den Geist in gerader Richtung führe; statt Entdecken, Versuchen, Probieren, produzieren – Nachahmen;
Georg Kerschensteiner wusste, dass Fachlichkeit und gute administrative Einbettung allein nicht ausreichen, um echte Reformen durchsetzen zu können. Die politische Kompetente wurde die dritte im Bunde. Er begriff, dass er nicht nur im fachlichen, sondern in einem zutiefst politischen Feld operierte. Der sensible Umgang mit der Politik, ja sogar die eigene politische Betätigung als Mitglied des Reichstags hat Kerschensteiner stets in den Dienst seiner Reformen gestellt. Und so hat er uns allen Post-Kerschensteiner den Weg gezeigt, wie Bildungsreformen gelingen können.
Was ich an ihm bewundere ist diese einzigartige Kompetenz, mit Fachlichkeit, Politik und Administrationen souverän umzugehen und dabei den Sinn für Realitäten nicht zu verlieren. Wenke schreibt in diesem Zusammenhang: „Er stellt das Erkannte und Erprobte stets von neuem vor die Veränderungen des Lebens seiner Zeit, die er täglich erfährt“.. „ er hatte einen feinen Spürsinn für neue, in die Zukunft weisende Impulse, und er hatte einen Blick für die Urphänomene der Erziehung und der Bildung, die nicht mit dem Wandel der Zeit vergehen“
Es ist hier nicht der Ort, in dem das Werk Kerschensteiners gewürdigt werden soll. Es muss jedoch betont werden, dass viele Ideen, die wir heute der Konzeptualisierung neuerer Bildungspläne zugrunde legen, ihren Urspruch bei Kerschensteiner haben. Die Kindheit als eine sui generis Phase menschlicher Entwicklung anzusehen, die Interessen der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen, den Unterricht und generell die Bildungsprozesse zu reformieren und kontextuell einzubetten, die Überwindung einer wissensbasierenden Bildung zugunsten der Stärkung kindlicher Entwicklung und kindlicher Kompetenzen, das Konzept des lebenslangen Lernens, die Forderung nach einer Bildungsorganisation, die einen konsistenten Bildungsverlauf begünstigt und die Zuordnung des Elementarbereichs zum Bildungsbereich verband er mit er Forderung, hohe Bildungsqualität von Anfang für jedes Kind zu bieten, sind Kerschensteiners Gedankengut.
An diese Münchner Tradition anknüpfend und von ihr inspiriert habe ich meine Tätigkeit im Staatsinstitut für Frühpädagogik entfalten können und dürfen. Als Direktor eines Instituts, dessen Arbeit auf Verbesserungen und Weiterentwicklung im frühpädagogischen Feld ausgerichtet war, waren ich und das Institut auf Kooperationspartner in hohem Maß angewiesen. Hier begann eine, wie ich hoffe, für beide Seiten, zwischen IFP und dem Schulreferat eine gewinnbringende Zusammenarbeit.
Man kann nicht alle Projekte auch nur benennen, die wir gemeinsam mit dem damaligen Leiter der Abteilung, Herrn Wolfgang Löscher und danach mit seiner Nachfolgerin, Frau Dr. Hartl-Krötsch, initiiert haben. Aber ich erinnere mich, Lieber Herr Löscher, an unsere gemeinsamen Reisen an das damals kommunistische Jugoslawien, um die Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund zu verbessern, an die vielen griechischen und türkischen Erzieherinnen, die wir ins Land geholt haben, um die Muttersprache und die Kultur dieser Kinder zu stärken. Die aus Frankreich stammenden Erzieherinnen sollten einen Beitrag zur frühen bilingualen Entwicklung der Münchner Kinder leisten. Mit Frau Krötz haben wir herausgefunden, dass die Rückstellung der Kinder bei der Einschulung mehr den organisatorischen Bedürfnissen der Schule und der Schulleiter entsprach und mit den Kompetenzen der Kinder nur wenig zu tun hatte. Das Schulreferat und die Landeshauptstadt waren stets aufgeschlossen, neue Wege zu gehen, Neues im pädagogischen Feld zu erproben. Die Modellversuche der Eingangsstufen in den siebziger Jahren, die Versuche zum Übergang vom Kindergarten in die Grundschule 10 Jahre später bis hin zur aktiven Mitgestaltung des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans sind Zeugnisse einer stets großen Bereitschaft, im Reformgeist von Kerschensteiner zu handeln. Und als die Landeshauptstadt mit allgemeinen Entwicklungen nicht zufrieden war, setzte sie eine eigene Kommission ein, um die Bildungsqualität für die Münchner Kinder weiterzuentwickeln und Anderen zu zeigen, welche Aufgaben zur Bewältigung anstehen. Dabei haben wir große Unterstützung und Aufgeschlossenheit durch die inzwischen neue Stadtschulrätin, Frau Weiß-Sölner, durch viele Mitglieder des Stadtrates und nicht zuletzt durch die Bürgermeisterin Frau Dr. Burkert erfahren. Die Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und die behinderten Kinder standen ebenso im Mittelpunkt des Interesses wie auch die Verbesserung der Kooperation mit der Familie. Mit Horst Fleck und mit vielen Elternvertretern haben wir gemeinsam dafür gekämpft, dass die Familie die Hauptverantwortung für die Bildung der Kinder trägt und die Bildungsinstitutionen im vorschulischen Alter lediglich in ihrem Auftrag handeln. Die Etablierung einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft, wie sie im BEP-Bayern festgelegt wurde, war die logi-sche Konsequenz. Auch die Professionalisierung der Fachkräfte, deren Stärkung war stets ein gemeinsames Anliegen und ich er-innere mich an die vielen Veranstaltungen, die wir gemeinsam gestaltet hatten, an die Impulse, die wir gegeben, aber auch empfangen haben. Es war über weite Strecken, eine lebendige gegenseitig bereichernde Beziehung. Und ich möchte das in Anspruch nehmen, was Theodor Heuss für die Stadt München in ihrem Verhältnis zu Kershensteiner bescheint hat: „..es bleibt ein Ruh-mesblatt der Stadt München, dass sie diesem ihrem Sohne, einer so unabhängigen und gegenüber dem Überlieferten so unbefan-genen Persönlichkeit, die Chance gab, sich hier zu entfalten und in der Leistung ein Modell der breitesten Wirkung hinzustellen“.
Vor diesem Hintergrund möchte ich meinen herzlichen Dank an die Jury aussprechen, die mich für würdig befunden hat, mir diese hohe und für mich persönlich besondere Auszeichnung zu verleihen. Ich nehme sie mit Dankbarkeit und Demut entgegen, als Zeichen der Anerkennung der Arbeit des Staatsinstituts für Frühpädagogik in den vergangenen 35 Jahren und als Wertschätzung dessen, was seine Mitarbeiter in vertrauensvoller Kooperation mit der Stadt München zum Wohle unserer Kinder getan haben. Theodor Heuss hat in der erwähnten Grußbotschaft hinzugefügt: „.. wo ich ihm (Kerschensteiner) begegnete, fühlte ich mich von der Erinnerung an den in seiner beweglichen Zierlichkeit großgearteten Mann angerührt“. Heute Nachmittag, bevor ich zu Ihnen kam, fühlte ich mich ähnlich angerührt als ich am Grab des großen Pädagogen, am alten Teil des Waldfriedhofs, 38W23, mit einer Blume in der Hand stand, um ihm meinen Respekt, meine Bewunderung und Anerkennung entgegenzubringen. Und dabei überkam mich der Gedanke: wir müssen die Reformen im Schulwesen fortsetzen, wir müssen alles unternehmen, um kindliche Entwicklung zu optimieren und kindliche Bildungsbiographien zu stärken. Und so fühlte ich mich wieder im Dienst, beflügelt durch den Gedanken und die Hoffnung, vereint mit Ihnen allen, die Arbeit fortzusetzen, die wir gemeinsam begonnen und im Geiste Kerschensteiners fortführen wollen.
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